Freiheit und Würde

Neulich habe ich das alte Mission-Statement der Clonlara School wiedergefunden – über so viele Jahre für uns Inspiration und ‘Rückenstärkung’ von unermesslichem Wert:

‚Clonlara School is comitted to illuminating educational rights and freedoms. Through our actions, which arise from our deep dedication to human rights and dignity, we lay a foundation for understanding that similar rights exist in every aspect of life.‘ *

In einem Workshop mit interessierten Eltern wurde Pat Montgomery, die Gründerin der Clonlara School, nach grundlegenden Richtlinien im Umgang mit Kindern gefragt. “Begegne jedem Kind mit der gleichen Haltung, mit der Du einem mindestens 21jährigen guten Freund gegenüber stehst”, war ihre Antwort.

So viele Aspekte sind für mich damit auf den Punkt gebracht:
Jede Ausdehnung, jedes Lernen in meinem Leben wird genährt und ist eingebettet in Beziehungen; in Bezug zu anderen Menschen, die mein Inneres berühren. Dieses Lernen wird umso vielfältiger, tiefgreifender, nachhaltiger sein, desto offener, ernsthafter, würdevoller, freier die Qualität der jeweiligen Beziehung ist.
Sicherlich werde ich meinen Freund ernst nehmen in allem, was er sagt und tut. Ich werde vorsichtig darin sein, es zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Er mag wohl seine Gründe haben, und vielleicht werde ich diese ja erst noch kennenlernen.
Manches werde ich vielleicht nicht verstehen, aber ich bin mir sicher, dass er auch für mich nur Gutes wollen würde, dass er zu mir steht, auch wenn er um Ehrlichkeit und Authentizität für seinen ganz eigenen Weg ringt, um unsere Freundschaft nicht zu verraten.
Ich wünsche mir und ihm, dass er glücklich sei – kenne ich jeden einzelnen Schritt auf dem Weg dorthin? Kann es sein, dass er etwas sieht, zu dem mir der Zugang gerade fehlt?
Seine Freundschaft ist mir sehr wichtig und mir ist klar, dass sie keineswegs selbstverständlich ist, dass sie gehütet und geachtet werden will. Kommt es zu Konflikten, suche ich vor allem danach, ehrlich zu sein, mir selber und meinem Herzen treu zu bleiben, und mich nicht an Prinzipien oder Konzepten zu orientieren.
Wenn es mir gelingt, werde ich darüber nachdenken und zu spüren versuchen, was mein Freund braucht; welche Sichtweisen und Lösungen ich für seine Lebenssituation erahnen kann, um ihm Inspiration und Stütze sein zu können. Auch, damit ich in seinen Entscheidungen die Größere Weisheit entdecken kann, die uns beide leitet.

Ich werde dankbar sein für jeden gemeinsamen Augenblick.

Würde ich ihn belehren wollen?

 

* ‚The Learning Edge‘ 23/1, Sept. 2006 – Clonlara School, Ann Arbor, Michigan

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Hartwig

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